Du kannst heute noch nicht wissen, dass du deine Kinder später nicht schlägst!

... genau mit diesem Satz wurde ich konfrontiert und war sehr erschüttert. Auch wenn ich selber noch keine eigenen Kinder habe, kann ich mit Sicherheit sagen, dass für mich das Schlagen von Kindern eines der schlimmsten Dinge ist, die man seinem Kind antun kann. Ich kenne es aus der Generation meiner Eltern, dass es üblich war sein Kind mit Schlägen zu bestrafen. Je nach Fehlverhalten mit Hand/Gürtel o.ä. Auch ich musst dies erleben, habe meinen Eltern aber vergeben und halte ihnen dies nicht vor. Ich musste lernen mit dieser Erfahrung umzugehen - trotzdem möchte ich dies meinen Kindern nie antun! Um zu dem Satz aus dem Titel zu kommen: Ich habe an einem Seminar zum Thema Kindererziehung teilgenommen. Darauf möchte ich jetzt nicht genauer eingehen, aber während einer Pause kam es zu dem Thema "Kind(er) schlagen - Ja oder Nein?". Ich war in der kleinen Gesprächsrunde von 5 Personen die einzige (!) die das Schlagen des eigenen Kindes nicht toleriert! In der Runde waren drei Frauen, welche selber schon Kinder haben und diesen schon den ein oder anderen "Klaps" gegeben haben. Mit diesem Begriff wurde das Schlagen verharmlost und ich bin da sehr konsequent darauf eingegangen. Ich finde auch ein "Klaps", "Schubser" oder eine Ohrfeige sind alles erniedrigende Angriffe gegen das Kind. Jeder Mensch (und dazu zählt auch das eigene Kind!) hat ein Recht auf Unversehrtheit. Direkt in Artikel 2 Abs. 2 BGB zu finden: "Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.[...]" und auch in §1631 Abs. 2 BGB "Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig."Aber auch unabhängig davon das es gesetzlich verankert ist, sollte es für jeden Elternteil selbstverständlich sein, dass Kinder nicht geschlagen werden. Ob es nun das eigene oder ein anvertrautes Kind ist. In besagter Runde waren wir uns einig, dass anvertraute Kinder (z.B. beim Babysitten, Freizeitangeboten,....) keinen "Klaps" bekommen dürfen, aber warum dann das eigene Kind? Ich konnte es einfach nicht verstehen und habe besagte Frauen nach ihren Gründen gefragt. Mir wurde erklärt, dass man als Mutter in Situationen kommt in welchen man überfordert ist vom eigenen Kind/ eine Auszeit braucht/ nicht weiter weiß usw. und so ein Klaps doch nichts wäre. Und zusätzlich soll ich erst einmal selber Mutter werden, dann würde ich es nachvollziehen können. Dem habe ich vehement widersprochen! Ich möchte mein Kind nicht demütigen! Als ich mich mit diesem Thema im Nachhinein mehr beschäftigte wurde auch schnell die Dimension klar was es laut Strafgesetzbuch bedeutet: § 223 StGB Abs. 1 "Wer eine andere Person körperlich mißhandelt oder an der Gesundheit schädigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft." Eine Ermittlung wegen einer Ohrfeige gegenüber einem Kind wird in der Regel wegen geringer Schuld eingestellt. Aber es sollte für jede Mutter selbstverständlich sein, dass das Schlagen von Kinder extrem demütigend, erniedrigend und respektlos ist. Schlagen Kinder ihre Eltern wird diesen (mehr oder weniger) deutlich gemacht, dass dies unzulässig ist. Und deswegen liebe Eltern die ihre Kinder mit einem "Klaps" erziehen: Warum darf dein Kind dich nicht schlagen - du es aber schon? Mir wurde zusätzlich in oben beschriebener Situation von einem anwesenden Mann gesagt, dass er auch von einem Elternteil geschlagen wurde - davon aber keinen Schaden erleidet hat. Ist dies jetzt ein Grund, das eigene Kind zu schlagen? Nein! Ich bitte euch liebe Eltern: respektiert eure Kindern, denn auch sie sind eigenständige Menschen und verdienen es so behandelt zu werden.

18.2.16 19:22, kommentieren

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Darf ich meine Eltern kritisieren?

Ich wohne nicht mehr in meinem Elternhaus. Und das ist auch gut so. Ich treffe meine eigene Entscheidung wenn es darum geht, ob ich den Müll sofort wegbringe oder bis morgen warte. Auch entscheide ich selber ob ich mir schnell eine Pizza bestelle oder ein Bio-Vollkorn-Brot vom weit entfernten fairtrade Bäcker kaufe. Eine ganz wichtige Entscheidung ist natürlich auch, ob ich an meinem freien Tag schon um 8 Uhr frühstücke oder mein Frühstück erst 5 Stunden später esse. Entscheidungen die mein Leben bestimmen und mit denen ich mir mein eigenes Leben lebenswerter machen kann. Ja, und dann gibt es Dinge wo ich nix mit zu entscheiden habe. Ich kann nicht bestimmen ob mir das Bafög zusteht oder nicht. Der Müll wird nicht an meinem Wunschtag abgeholt und auch wenn ich den Müll nicht an die Straße stelle, wird er nicht abgeholt (ok, das ist übertrieben! Ein Lob an die Müllmänner die mich als „Kunden“ haben und seit meinem Einzug in „ihrer Straße“ mich schon mehrmals durch Sturmklingeln an meine Pflicht erinnerten!). Auch möchte die Wohngeldstelle, dass ich mich bitte rechtzeitig ummelde, denn einen 32. März gibt es nicht! Auch das sind Entscheidungen die mein Leben bestimmen auch wenn es nicht unbedingt meinen Lebenswert erhöht. Und wie ist das jetzt bei meinen Eltern? Wenn sie aus meiner Sicht etwas verkehrt machen oder ein besseres Ziel erreichen würden wenn sie ihr Verhalten ändern würden - darf ich das sagen? Darf ich ihnen sagen, dass eine Entscheidung kontraproduktiv war oder ist? Kann man sich da richtig entscheiden? Ist zum Beispiel eine Entscheidung GEGEN den Erziehungsstil der eigenen Eltern Kritik? Und wenn ja, darf ich diese Kritik äußern? Und wenn nicht, darf ich meine Geschwister nicht beschützen? Haben sie nicht das gleiche Recht, liebevoll erzogen zu werden? Haben sie nicht das Recht, in einem Haushalt aufzuwachsen in welchen die Grundstimmung positiv ist? Oder ist es die Verantwortung der Eltern die Erziehung meiner Geschwister wahrzunehmen? Sollte ich mich da lieber nicht einmischen? Aber, wenn ich mich jetzt nicht einmische… tue ich meinen Geschwistern einen Gefallen? Oder denke ich nur an mich, dass ich gut dastehe, dass ich keine Kritik gegenüber meinen Eltern übe? Ist es denn überhaupt Kritik? Oder eher ein Rat? Früher habe ich jeden Tag Ratschläge von meinen Eltern gehört, ob ich wollte oder nicht – kann ich das jetzt zurückgeben? Kann ich meinen Eltern einen Rat geben? Sie kritisieren? ... Ja natürlich darf ich das! Ich bin ein eigenständig denkender Mensch. Ich darf sagen was ich denke, auch meinen eigenen Eltern. Ob sie es nun hören wollen oder nicht. Es kommt ja immer darauf an, WIE etwas gesagt wird. Respekt gehört natürlich immer dazu. Natürlich kann ich Kritik an ihrem Erziehungsstil äußern. Ich darf sagen, dass mir dieses oder jenes in meiner eigenen Erziehung damals nicht gefallen hat. Ich darf sagen, dass es auch meinen Geschwistern nicht gefällt, verglichen zu werden. Natürlich dürfen Kinder Vorbilder haben – dann haben sie aber auch das Recht sich ihr Vorbild selber auszusuchen. Ein „Benimm dich doch wie …“ oder „ … hat doch auch gewusst was sie/er nach der Schule machen möchte...“ hilft absolut nicht! Und auch das darf ich meinen Eltern sagen. Auch ich musste mir früher solche Sätze anhören und dann ist es mein Recht, und für mich persönlich denke ich auch ist es meine Pflicht, meiner Geschwister davor zu bewahren. Und was ist wenn mich meine Eltern früher nicht respektiert haben? Wenn sie Entscheidungen, Meinungen oder Ideen von mir dauerhaft in Frage stellen – auch heute noch? Dann kann ich daran nichts ändern außer ihnen zu vergeben. Aber: Ich kann es anders machen!

30.12.15 21:42, kommentieren