Wenn das Kind funktionieren muss...

Partizipation, Selbstbestimmung, liebevoller Umgang, Nähe, Freiheit, Vertrauen, Gerechtigkeit usw.All das sind Worte, welche Eltern gern benutzen, wenn es um die Erziehung ihrer Kinder geht. Leider gibt es aber auch Momente in denen all diese Werte und Vorstellungen schnell vergessen werden - nämlich dann, wenn das Kind "nicht funktioniert". Dann, wenn das Kind ausraste, weil es sich etwas anders vorgestellt hat als die anderen. Dann, wenn es nicht verstanden wird. Dann, wenn die Eltern meinen, dass das Kind "nicht hört". Und plötzlich fallen Worte die normalerweise nicht fallen würden, es wird in einer Tonlage gesprochen, wofür man andere Eltern mindestens bestürzt anschauen würde. Vielleicht stehen sogar zwei (Mutter und Vater) gegen einen (das Kind). Wo ist da die Gerechtigkeit? Wo die Nähe oder Vertrauen?"Ich weiß, dass ich aus so einer Situation rausgehen muss und mir und dem Kind Gelegenheit geben muss uns zu beruhigen." Ja, danach weiß man oft vieles besser - warum versucht man dies dann nicht zu ändern? Ich möchte niemanden verurteilen, ein lautes Wort kann schnell ausgesprochen sein, auch Eltern rasten einmal aus, sie sind auch nur Menschen. Jedoch sind sie in einer ganz anderen Verantwortung als das Kind mit schwierigen Situationen umzugehen! Das Kind muss nicht "funktionieren", sondern es soll lernen dürfen und sich entwickeln dürfen. Eine Wasserhahndichtung ist kein Grund ein Kind anzuschreien oder festzuhalten, nur weil das Kind den Wasserhahn mehrmals hintereinander schnell auf- und zudreht. Klar, dass Kind sollte Respekt vor z.B. der Wohnungseinrichtung haben, da alles auch Geld kostet - doch was ist dir wichtiger: das deine Wohnungseinrichtung heil bleibt oder das das Kind lernt mit schwierigen Situationen umzugehen und du ihm auch in Streitsituationen liebevoll und gerecht gegenüber trittst?Dies ist nur ein kleines Beispiel - ich habe für mich gelernt: lieber rege ich mich nicht zu sehr darüber auf, wenn etwas von mir durch jemand anderen kaputt geht, sondern ich versuche Verständnis bei diesem zu finden. Das klappt nicht immer, aber irgendjemand muss anfangen etwas zu ändern. Das Verständnis von Respekt und Vertrauen zu anderen Menschen muss mehr gestärkt werden als zu Gegenständen. Kein Gegenstand ist es wert, das Vertrauen eines Kindes zu verlieren.

7.8.16 20:06, kommentieren

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Dankbar auf Befehl?

Es gibt sie noch diese Eltern. Eltern die Sätze sagen, wie: "Wenn das jetzt wieder nicht klappt - da krachts." Schläge sind damit nicht gemeint, zumindest keine körperlichen Schläge. Sondern verbale Schläge. Beschimpfungen.Und alles nur, weil das Kind nicht dankbar auf Befehl sein konnte. Verständlich - man kann niemanden zu Dankbarkeit zwingen, man selber möchte schließlich auch frei entscheiden wann und wem gegenüber man dankbar ist. Es ist völlig ok, wenn das Kind abends äußert, dass es keinen Hunger hat und auch mal nichts isst. Das schadet einem Kind nicht sofort. Wenn ihm aber gesagt wird, dass es dankbar sein kann, dass es was zu Essen bekommt und sich nicht beschweren soll, das schadet dem Kind. Es fühlt sich nicht angenommen, nicht gehört. Es soll einfach funktionieren. Und im Anschluss soll das Kind sich fertig machen um ins Bett zu gehen. Mit kurzem Protest wird das getan - denn eigentlich wollte das Kind doch etwas essen. Jetzt fünf Minuten später bemerkt es, dass es doch Hunger hat. Was völlig ok ist. Genauso wenig wie man ein Kind zwingen kann dankbar zu sein, genauso wenig kann man ein Kind zwingen zu einer bestimmten Uhrzeit Appetit zu haben. Als Erwachsene ist uns das oft nicht bewusst. Wir können es verkraften, egal ob es 19 Uhr oder 20 Uhr etwas zu essen gibt. Der Protest des Kindes wird aber abgewimmelt, schließlich hatte es gesagt, dass es keinen Hunger hat. Dann wird ihm doch noch die Gelegenheit gegeben - ein kurzes Gespräch außerhalb der anderen die auch am Tisch sitzen. Das Kind soll sich bei allen entschuldigen, dass es so geschimpft hat. Ok, und warum jetzt bei allen? Warum nicht nur bei den Eltern? Nur die waren betroffen. Nur die haben Konsequenzen ausgesprochen und nur deshalb hat das Kind so reagiert. Wir möchten, dass Kinder zu verantwortungsvollen, beständigen Menschen werden. Wenn man aber selbst einmal so und einmal so reagiert, wie soll das Kind dann Beständigkeit erlernen?

22.3.16 19:33, kommentieren