Ich habe schließlich dafür gezahlt!

"Wir müssen jetzt aber los!" Eine etwas genervte Stimme versucht das Kind in der Kita zu überreden mitzukommen. Das wöchentliche Sportprogramm ruft. "Ich will aber nicht!!" Eine weinerliche, verzweifelte Stimme versucht dem entgegen zu wirken. Nutzlos. Das Wochenprogramm muss durchgezogen werden, notfalls auch gegen den Willen des Kindes. Es wurde schließlich viel Geld dafür gezahlt! Und außerdem gibt es so viele Dinge, die gefördert werden: Sportlichkeit, Teamfähigkeit, Durchsetzungsvermögen usw. Außerdem: was sollen denn die anderen Eltern denken, wenn das Kind keine Freizeitaktivitäten nach der Kita besucht? Was wird von denen gedacht und geredet, wenn das Kind "einfach nur nach Hause kommt"?Sportangebote kosten Geld. Oft viel Geld, keine Frage. Doch ist es dieses Geld wert, dass Kind zu zwingen an diesem Programm teilzunehmen?"Aber letzte Woche hat es ihr doch so gut gefallen!" Ja natürlich, keine Frage. Das steht ja auch gar nicht zur Diskussion, aber was ist heute? Warum möchte das Kind denn nicht mit? Hatte es vielleicht einen stressigen Tag in der Kita? ("Den gibt es gar nicht! Die Kinder haben doch in der Kita viele Möglichkeiten sich auszuruhen!")Oder hatte es Streit mit Freunden? ("Ja, das kann sein. Aber die Erzieher reden doch mit den Kindern und zeigen ihnen, dass sich Vertragen und Freundschaft wichtig ist.") Ist das Kind vielleicht krank? ("Ich schick doch kein krankes Kind in die Kita!!") Möchte das Kind einfach nicht, kann aber nicht ausdrücken warum? ("Es ist alt genug! Sonst kann es doch auch immer sagen was es möchte!") Leider werden oft Ausflüchte gesucht, warum ein Kind etwas nicht machen möchte. Kinder können sich aber nicht ausdrücken wie ein Erwachsener, sie sind schließlich Kinder. Und das ist auch ok, denn sie lernen noch. Und es ist überhaupt kein "Weltuntergang" oder eine "Katastrophe" wenn das Kind, das allwöchentliche Sportprogramm (oder Tanzen, Singen, Musizieren, Malen, ...) einmal nicht besucht. Natürlich sollte den Kindern bewusst gemacht werden, dass solche Dinge Geld kosten. Jedoch nicht jedes Kind versteht das. Auch kann es sein, dass die ersten fünf Wochen Sportprogramm super waren, das Kind begeistert war und sich immer darauf gefreut hat. Doch es kann eben auch passieren, dass das Kind "von heute auf morgen keine Lust hat." Und das ist auch ok so. Wie oft haben auch Erwachsene auf irgendetwas keine Lust (putzen, arbeiten,...). Verständlich, oder? Dann zeig doch Bitte auch Verständnis gegenüber den jungen Menschen! Die kleinen uns anvertrauten Menschen, die uns vertrauen und sich manchmal nicht verständlich ausdrücken können. Denn wie oft, kommt es denn bei uns Erwachsenen zu Missverständnissen aufgrund von Unverständlichkeit?

16.12.16 21:09, kommentieren

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Wenn das Kind funktionieren muss...

Partizipation, Selbstbestimmung, liebevoller Umgang, Nähe, Freiheit, Vertrauen, Gerechtigkeit usw.All das sind Worte, welche Eltern gern benutzen, wenn es um die Erziehung ihrer Kinder geht. Leider gibt es aber auch Momente in denen all diese Werte und Vorstellungen schnell vergessen werden - nämlich dann, wenn das Kind "nicht funktioniert". Dann, wenn das Kind ausraste, weil es sich etwas anders vorgestellt hat als die anderen. Dann, wenn es nicht verstanden wird. Dann, wenn die Eltern meinen, dass das Kind "nicht hört". Und plötzlich fallen Worte die normalerweise nicht fallen würden, es wird in einer Tonlage gesprochen, wofür man andere Eltern mindestens bestürzt anschauen würde. Vielleicht stehen sogar zwei (Mutter und Vater) gegen einen (das Kind). Wo ist da die Gerechtigkeit? Wo die Nähe oder Vertrauen?"Ich weiß, dass ich aus so einer Situation rausgehen muss und mir und dem Kind Gelegenheit geben muss uns zu beruhigen." Ja, danach weiß man oft vieles besser - warum versucht man dies dann nicht zu ändern? Ich möchte niemanden verurteilen, ein lautes Wort kann schnell ausgesprochen sein, auch Eltern rasten einmal aus, sie sind auch nur Menschen. Jedoch sind sie in einer ganz anderen Verantwortung als das Kind mit schwierigen Situationen umzugehen! Das Kind muss nicht "funktionieren", sondern es soll lernen dürfen und sich entwickeln dürfen. Eine Wasserhahndichtung ist kein Grund ein Kind anzuschreien oder festzuhalten, nur weil das Kind den Wasserhahn mehrmals hintereinander schnell auf- und zudreht. Klar, dass Kind sollte Respekt vor z.B. der Wohnungseinrichtung haben, da alles auch Geld kostet - doch was ist dir wichtiger: das deine Wohnungseinrichtung heil bleibt oder das das Kind lernt mit schwierigen Situationen umzugehen und du ihm auch in Streitsituationen liebevoll und gerecht gegenüber trittst?Dies ist nur ein kleines Beispiel - ich habe für mich gelernt: lieber rege ich mich nicht zu sehr darüber auf, wenn etwas von mir durch jemand anderen kaputt geht, sondern ich versuche Verständnis bei diesem zu finden. Das klappt nicht immer, aber irgendjemand muss anfangen etwas zu ändern. Das Verständnis von Respekt und Vertrauen zu anderen Menschen muss mehr gestärkt werden als zu Gegenständen. Kein Gegenstand ist es wert, das Vertrauen eines Kindes zu verlieren.

7.8.16 20:06, kommentieren